Jugendfilm in Eigenregie

Von Ralf Rohrmoser-von Glasow

Hennef. "My way - bis zum Regenbogen und weiter" stand über den bunt gemischten Farben. Der Vorspann zu dem Film, der in den Herbstferien entstanden ist, verhieß schon viel Gutes. Fünf Tage lang hatten Kinder und Jugendliche auf der Burg Balduinstein an der Lahn gearbeitet und unermüdlich Szene für Szene gedreht. Die Teilnehmer waren zugleich Kameraleute, Cutter, Musiker, Rapper und Schauspieler. Mindestens acht Stunden täglich waren sie konsequent bei der Sache.

Der Verein MuTaThe aus Bad Honnef hat das Projekt organisiert und Regine Held hatte als Projektleiterin ein Konzept geschrieben. Sie kümmerte sich um die Musiker. Denn der komplette Soundtrack ist auf der Burg von den Jugendlichen geschrieben, einstudiert und gespielt worden. "Wir haben rund 200 Musiktakes in drei Tagen selbst erstellt und geschnitten", erzählte sie bei der Premiere im städtischen Kinder- und Jugendhaus an der Frankfurter Straße 144. Hohe Qualität haben sie gemeinsam geliefert für den gut neun Minuten langen Streifen. Weitere Profis unterstützten die Gruppe. Michael Feldhaus war der Chef beim Kamera- und Technikteam, umgesetzt haben es indes die Zwölf- bis 18-Jährigen. Selbst beim Schnitt und der langwierigen Nachbearbeitung des Rohmaterials waren sie aktiv dabei. Ruth Retterath half bei der Schauspielerführung und setzte die Geschichte mit ihnen gemeinsam in Szene.

Nicola Piechaczkova berichtete vor der Erstausstrahlung im voll besetzten Café von der intensiven Woche. "Wir haben gemeinsam überlegt, was wir erzählen wollen", sagte die 18-Jährige. Da habe es viele verrückte Ideen gegeben, nicht alle hätten realisiert werden können. Ganz wichtig aber sei allen gewesen, das sie nicht aufhören wollten zu träumen. "Wir haben viel Zeit miteinander verbracht und sind als Gruppe zusammen gewachsen", erzählte sie mit leuchtenden Augen von dem spannenden Erlebnis, eine Woche auf einer Burg zu verbringen. Zu den kuriosen Höhepunkten gehörte das tägliche Wettrennen auf die Nutella. Viel wichtiger aber seien die Erkenntnisse gewesen, die die Einzelnen im Zusammenspiel gewonnen hätten. "Wir wissen jetzt, welche Talente in uns schlummern, und was wir nicht können."

Mit Aufwärmspielen begannen die Tage. Sie machten locker, um auch persönliche Dinge zuzulassen. Denn es ging um nicht weniger, als die größten Wünsche herauszukitzeln. Sie spielten, tanzten und sangen sie. Zahlreiche Kinder aus Flüchtlingsfamilien waren dabei, der Rap war ihre gemeinsame Sprache. Sie wünschten sich, Ärztin oder Model zu sein, ein Zuhause für jeden Menschen, das Paradies. Den Regenbogen nahmen sie als Metapher für das Zusammenleben der Menschen aus aller Welt, gleich welcher Hautfarbe. Liebe, Zusammensein, Freundschaft - es waren teils sehr emotionale Bekenntnisse und Bedürfnisse, die Ausdruck fanden in klaren, deutlichen, manchmal aber auch verfremdeten Bildern in kurzer Schnittfolge.

Die Zuschauer jedenfalls reagierten mit Freude, Applaus und Nachdenklichkeit auf den Streifen. Der Film entstand im Rahmen eines Kultur-macht-stark-Projekts zusammen mit dem paritätischen Bundesverband und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung. Mit dabei waren das Amt für Kinder, Jugend und Familie sowie das DRK-BsE Hennef. Wir wissen jetzt, welche Talente in uns schlummern.

Nikola Piechaczkova (18), Teilnehmerin